Projekt und Folgestudie Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Automobilzulieferindustrie
Gruppenarbeit "revisited"
Modellprojekt mit Eigendynamik und Langzeitwirkung (als Beitrag zur Bewältigung des Strukturwandels in Rheinland-Pfalz)
Von Oktober 1995 bis Mai 1997 führte die TBS gGmbH ein Projekt zur Einführung von Gruppenarbeit im Verbund mit zwei Unternehmen der Automobilzulieferindustrie (Tectro Kunststofftechnik GmbH, Saarburg, und Metzeler Gimetall AG, Höhr-Grenzhausen) durch. Dieses im Rahmen des Ziel 4 des Europäischen Sozialfonds von der EU, dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz und mit Mitteln der beteiligten Betriebe geförderte Projekt verfolgte die Ziele, zum einen die Arbeitsbedingungen und Arbeitsmarktchancen der Beschäftigten zu verbessern (durch Beteiligung und Qualifizierung, Erhöhung der Handlungs- und Entscheidungsspielräume, Eigenverantwortung, Initiative und Flexibilität), und zum anderen den organisatorischen Wandel in den Betrieben zu unterstützen und damit einen Beitrag zur Anpassung an den Strukturwandel zu leisten.
Schon zum Abschluss der Projektförderung ließen sich die ersten Erfolge, die sich sowohl an betriebswirtschaftlichen Kennziffern als auch – im Hinblick auf die eher weichen Faktoren – an den Einschätzungen aller Projektbeteiligten festmachen lassen, darstellen. Diese Erfolge wurden allerdings überschattet durch die Entscheidung der Konzernzentrale der Metzeler Gimetall AG, im Zuge einer Standortkonzentration das Werk in Höhr-Grenzhausen bis Ende des Jahres 1998 zu schließen. Diese Entscheidung war keineswegs durch rote Zahlen motiviert. Gerade hier ließen sich die betriebswirtschaftlichen Erfolge der Gruppenarbeit am eindrucksvollsten belegen.
Die Einführung und Umsetzung von Gruppenarbeit ist ein längerfristiger Prozess, dessen volle Wirkungen sich erst (wie bei jeder Investition) nach einiger Zeit der Qualifizierung, Erprobung, Stabilisierung und Entwicklung entfalten können. Ein solcher Prozess kann in 20 Monaten Projektlaufzeit noch nicht zu einem (vorläufigen) Abschluss gekommen sein. Deshalb führten wir zur Ermittlung der "Langzeitwirkungen" etwa anderthalb Jahre nach Abschluss des Modellprojekts eine Folgestudie durch. Wir suchten die beteiligten Betriebe und Personen von damals wieder auf und führten zahlreiche Gespräche über die Einschätzung des Projekts aus heutiger Sicht, über die Weiterentwicklung des Gruppenarbeitsmodells und den jetzt erreichten Stand und die Auswirkungen für die Beschäftigten, den Betriebsrat, das Management und die Wettbewerbssituation des Unternehmens. Die ehemaligen Beschäftigten von Metzeler befragten wir nach ihrer jetzigen Situation, ihren Erfahrungen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz und der Rolle, die ihre Projekterfahrungen dabei gespielt haben. Darüber hinaus führten wir Gespräche mit Vertretern der Arbeitsverwaltung und Personalverantwortlichen von Unternehmen, die mehrere im Projekt beteiligte Mitarbeiter eingestellt haben.
